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Finanzen & Controlling

Break-Even-Punkt

Julian Weisel · Fachbegriff

Der Break-Even-Punkt ist der Umsatz, ab dem ein Betrieb weder Gewinn noch Verlust macht — alle Kosten sind gedeckt, der erste Euro Gewinn beginnt danach. Er ist die zentrale Planungsgröße für Preisentscheidungen, Kapazitätsplanung und Investitionsvorhaben.

Was der Break-Even-Punkt zeigt

Jeder Betrieb hat Kosten, die unabhängig vom Umsatz laufen: Miete, Leasingraten, Festgehälter, Versicherungen. Diese Fixkosten müssen durch die Summe aller Deckungsbeiträge der Aufträge gedeckt werden, bevor der erste Gewinn entsteht. Der Punkt, an dem genau das passiert, ist der Break-Even. Die Gewinnschwelle.

Wer seinen Break-Even-Punkt kennt, weiß, wie viel Umsatz er mindestens braucht, um überhaupt zu überleben. Und er weiß, wie viel Sicherheitsabstand der aktuelle Umsatz dazu lässt oder eben nicht.

Berechnung des Break-Even-Umsatzes:

Break-Even-Umsatz = Fixkosten / Deckungsbeitragsquote

⚠️ Die Deckungsbeitragsquote geht hier als Dezimalwert ein: bei 35 % also ÷ 0,35, nicht ÷ 35. Der Unterschied ist Faktor 100: aus 342.857 € würden 3.429 €.

DB-Quote = Deckungsbeitrag / Umsatz × 100

Sicherheitsabstand = Ist-Umsatz − Break-Even-Umsatz

Bedeutung für die Preissetzung

Der Break-Even-Punkt ist keine rein theoretische Zahl. Er hat direkte Konsequenzen für Preisverhandlungen. Wenn ein Betrieb einen Auftrag annimmt, der mit einem niedrigen Preis kalkuliert ist, verschiebt er den Break-Even nach oben: Er braucht mehr Umsatz, um die Fixkosten zu decken. Das ist besonders gefährlich in Phasen mit saisonalem Rückgang oder hohem Wettbewerbsdruck.

Umgekehrt gilt: Wer seinen Break-Even kennt, kann sicher entscheiden, wie weit er in einem Auftrag preislich gehen kann, ohne die Gesamtprofitabilität zu gefährden.

Break-Even für neue Investitionen

Bevor eine größere Investition getätigt wird — neue Maschine, zusätzlicher Mitarbeiter, neue Räumlichkeit — sollte der Break-Even neu berechnet werden. Jede Fixkostensteigerung erhöht den Mindestumsatz, der zur Kostendeckung notwendig ist. Eine neue Maschine für 120.000 Euro mit 10 Jahren Laufzeit ergibt 12.000 Euro Abschreibung pro Jahr — dazu kommen Zinsen, Wartung, Energie. Wie viele zusätzliche Aufträge braucht es, um das zu tragen?

Time-to-Break-Even bei Neugründungen

Bei neuen Betrieben, neuen Produktlinien oder neuen Filialen ist der Break-Even zeitbasiert: Wie viele Monate dauert es, bis der monatliche Umsatz die monatlichen Gesamtkosten deckt? Wer das nicht im Voraus rechnet, merkt es erst, wenn das Startkapital aufgebraucht ist.

Beispiel: Elektrobetrieb, Sicherheitsabstand berechnen

Elektroinstallation GmbH, 7 Mitarbeiter

Monatliche Fixkosten: 40.000 €
(Gehälter Büro/Meister, Miete, Leasing, Versicherungen, Steuerberatung)
Durchschnittliche DB-Quote aller Aufträge: 40 %

→ Break-Even-Umsatz: 40.000 / 0,40 = 100.000 € / Monat

Tatsächlicher Monatsumsatz (Ø letztes Jahr): 125.000 €
→ Sicherheitsabstand: 25.000 € (20 % über BEP)

Bei einem Auftragsrückgang von 20 % läge der Betrieb genau am Break-Even, kein Puffer. Das ist für einen Betrieb mit saisonalen Schwankungen zu wenig.

Wie eine Fixkostensteigerung den BEP verändert

Im Beispiel oben: Wenn ein zweiter Meister eingestellt wird (+3.500 €/Monat), steigen die Fixkosten auf 43.500 €. Der neue Break-Even: 43.500 / 0,40 = 108.750 €/Monat. Der Sicherheitsabstand sinkt von 25.000 auf 16.250 Euro, fast eine Halbierung. Diese Rechnung sollte vor jeder Personalentscheidung stehen.


Der Break-Even-Punkt ist keine Zahl, die einmal berechnet und dann vergessen wird. Er verändert sich mit jeder Preiserhöhung, jeder Neueinstellung, jeder Investition. Wer ihn regelmäßig prüft, trifft bessere Entscheidungen, bei Aufträgen, bei Preisen und bei der Kostenkontrolle.

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